Ausblick vom Lenneberg (um 1900)

Eine alte Ansichtskarte zeigt den Blick vom Lenneberg über Budenheim und den Rhein um 1900 – mit Obstfeldern, der St.-Pankratius‑Kirche und überraschend hohen Schornsteinen.

Kurzbeschreibung

Die kolorierte Ansichtskarte zeigt den Blick vom Lennebergwald über Budenheim und den Rhein. Im Vordergrund sind Obstfelder und Gärten zu erkennen, im Ortskern erhebt sich die barocke St.-Pankratius-Kirche. Rechts im Bild ragen zwei hohe Schornsteine über die Bebauung hinaus.

Sichtbare Hinweise im Bild

  • Panorama: Die Aufnahme wurde von einer Anhöhe des Lennebergwaldes gemacht und eröffnet einen weiten Blick über Budenheim. Links ist das breite Rheintal zu erkennen, rechts zieht sich der Ortskern über die Ebene.
  • St.-Pankratius‑Kirche: In der Mitte erhebt sich die barocke Saalkirche mit ihrem Dachreiter. Die Kirche wurde zwischen 1734 und 1747 errichtet und gilt als barocker Saalbau mit zwei Emporen.
  • Schornsteine: Rechts im Bild ragen zwei hohe Schornsteine und industrielle Gebäude auf. Sie könnten zu den Ziegelbrennereien gehören, die um die Jahrhundertwende in Budenheim betrieben wurden.
  • Obstfelder: Im Vordergrund verlaufen geometrisch angelegte Felder mit Baumreihen – vermutlich Streuobstwiesen oder kleine Obstplantagen, wie sie für das alte Budenheim typisch waren.
  • Beschriftung: Unterhalb des Bildes ist der Aufdruck „Gruss aus Budenheim a. Rhein“ zu lesen, darüber ergänzt eine persönliche Widmung die Karte.

Einordnung

Der Lenneberg ist mit 176,8 Metern die höchste Erhebung Budenheims. Im Jahr 1880 wurde auf der „Schönen Aussicht“ ein Aussichtsturm errichtet, der von Adam Allendorf initiiert wurde. Von dort bot sich Besuchern ein spektakulärer Blick über das Rheintal und das Dorf. Das vorliegende Foto nutzt diese Perspektive: Es zeigt Budenheim noch als ländlich geprägten Ort mit Streuobstwiesen und wenigen Fabriken. Mittelpunkt des Dorfes ist die barocke St.-Pankratius‑Kirche.

Die beiden Schornsteine im rechten Bildteil werfen interessante Fragen auf. Laut dem „Hof- und Staatshandbuch des Großherzogtums Hessen“ von 1841 gab es in Budenheim bereits fünf Ziegeleie. Diese Brickyards benötigten hohe Ringöfen und Schornsteine zur Ziegelproduktion, weshalb sie als wahrscheinliche Quelle für die sichtbaren Rauchfahnen gelten. Die Chemische Fabrik Budenheim wurde erst 1908 gegründet, und die Blechwarenfabrik Jakob Berg (heute Bericap) entstand 1926; beide wären für diese frühe Ansicht noch nicht in Betrieb gewesen. Die Ansichtskarte dürfte daher zwischen den späten 1890er Jahren und dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sein.

Offene Fragen

  • Zu welcher der Budenheimer Ziegeleien gehören die beiden hohen Schornsteine genau? Handelt es sich um den Betrieb der Familie Gottron oder um eine andere Ziegelhütte?
  • Welche Obstsorten wurden in den sichtbaren Streuobstwiesen angebaut, und wann verschwanden diese Felder zugunsten von Wohnbebauung?
  • Existieren Vergleichsaufnahmen aus späterer Zeit in ähnlicher Perspektive, um den Wandel der Landschaft zu dokumentieren?
  • Wer verfasste die handschriftliche Widmung auf der Karte, und an wen war sie gerichtet?

Quellen

  1. regionalgeschichte.net:„Chemische Fabrik Budenheim“ , abgerufen am 23.02.2026. ↩
  2. regionalgeschichte.net:„Der Lennebergturm in Budenheim“ , abgerufen am 23.02.2026. ↩
  3. Großherzogtum Hessen:„Hof- und Staatshandbuch des Großherzogtums Hessen“, 1841. ↩
  4. Privatsammlung:„Ansichtskarte um 1900“. ↩

📩 Weitere Informationen zur genauen Datierung, zu den abgebildeten Ziegelbrennereien oder zu den Obstfeldern sind gerne gesehen.

MetadatenFRAG-2026-02-23-0004 · um 1900 · Lennebergwald, Budenheim · Datierung um 1900, Ansicht vom Lenneberg
Inventar
FRAG-2026-02-23-0004
Status
Datierung um 1900, Ansicht vom Lenneberg
Ort
Lennebergwald, Budenheim
Datierung
um 1900
Anlass
Ansichtskarte
Quelle
Postkarte aus privater Sammlung
Rechte/Lizenz
Unbekannt/Rechteinhaber unbekannt
Stand
2026-02-23

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