Leserbrief bzgl. Einkaufszentren

Dr. Franz-Ferdinand Kuhn hat heute eine Email mit einem Leserbrief bzgl. der aktuellen Diskussion um die neuen Einkaufzentren in Budenheim verschickt.

Ich veröffentliche diesen Leserbrief hier vollständig, also ungekürzt. Hoffen wir das er auch in dieser Form in der Zeitung zu lesen sein wird, denn es handelt sich hier nicht um einen der vielen polemische Ergüsse aus Budenheim, die zum Beispiel zum Thema der Ganztagsschule in Budenheim en masse veröffentlicht wurden - ganz im Gegenteil.

Der Leserbrief ist lediglich mit seinem Namen unterschrieben, daher gehe ich davon aus, daß es sich um seine private Meinung zu diesem Thema handelt. Und mit dieser Meinung steht er nicht alleine da.

Es folgt der ungekürzte Leserbrief von Herrn Dr. Kuhn :

Leserbrief zum Artikel Einkaufszentrum vor dem Start – Gemeinderat segnet

Bebauungsplan ab.

Nun hat der Gemeinderat Budenheim einvernehmlich den Bebauungsplan für das

Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Dyckerhoff-Gelände beschlossen. Die Bagger

können jetzt anrollen. Ein jeder mag für sich entscheiden, ob er dies für gut

empfindet oder nicht.

Ursprünglich war geplant ca. 1.500 qm für einen Vollsortimenter, 800 qm für

ein Discounter und 700 qm für den Facheinzelhandel. Eine ideale Kombination,

die nur näher am Ort entstehen müsste. Durch aktives Handeln unserer

Gemeindeverwaltung – dies ist unbestritten – wird nun zusätzlich ein

weiteres Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von 1000 qm an der Ecke

Hauptstraße/ Mainzer Landstraße hinter der Häuserzeile gebaut. In Budenheim

entstehen durch die Standortpolitik der Gemeindeverwaltung insgesamt 4000 qm

zusätzliche Supermarktflächen. Selbst wenn Tengelmann und Plus in alten

Ortskern tatsächlich schließen sollten, verbleibt ein Zugewinn von fast 3.400

qm. Dem Facheinzelhandel hat man die geplanten 700 qm aus planungsrechtlichen

Gründen entzogen, um sie Dienstleistern und Freiberuflern zur Verfügung zu

stellen.

Seit nunmehr zehn Jahre lebe ich in Budenheim. In dieser Zeit haben ich die

Budenheimer als sympatische und engagierte Menschen mit vielen Fähigkeiten

kennen und schätzen gelernt. Eine Eigenschaft besitzt leider auch der

Budenheimer nicht. Er ist nicht in der Lage den Euro zweimal auszugeben.

Hinzu kommt: durch die allgemeine konjunkturelle Lage geht der Verbraucher –

verständlicher Weise - sehr zurückhaltend mit seinem Geld um. Die wirtsch aftlichen Auswirkung hat der Vorstand von Pro Budenheim in seiner

Presseerklärung vom 06.09.2002 ausführlich und zutreffend beschrieben. Die

Ansiedlung dieser beiden Supermärkte ist der Untergang des Facheinzelhandels

in Budenheim.

Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen sind auch gesellschaftliche

Einflüsse zu berücksichtigen. Es heißt: Eine Gemeinde ohne

Facheinzelhandelsgeschäfte ist eine tote Gemeinde. Wenn man die Anzeigen der

Jubiläumshefte unserer Vereine näher anschaut, wird man feststellen, dass

20-30% der in diesen Festschriften geschalteten Anzeigen von Budenheimer

Facheinzelhandelsunternehmen stammen. Fallen diese als Inserenten aus,

erleiden unsere Vereine erhebliche Einnahmeausfälle. Nur wenn sie das

verkraften können - ein Tengelmann, Rewe, Lidl oder wer auch immer - springen

mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht ein, hat die Ansiedlung der Supermärkte

keine Auswirkungen auf die Aktivitäten der Vereine. Darüber sollten wir,

für die das Budenheimer Vereinsleben in seiner gesamten Vielfalt wichtig ist,

nachdenken. In jeden Fall gehen Treffpunkte und soziale Kontakte, die oft

gerade von unseren ältere Mitbürger gerne und häufig genutzt werden,

verloren, Straße und Plätze sind dann ohne Charakter und Anziehung.

gez.

Dr. Franz-Ferdinand Kuhn

Budenheim, den 20.11.2002